›WIE ERLEBEN MENSCHEN, DIE BERUFLICH FÜR EINE GEWISSE ZEIT IM AUSLAND GELEBT HABEN, DIE RÜCKKEHR NACH DEUTSCHLAND?
IN DIESER REPORTAGE GEHT ES UM ERLEBNISSE UND ERFAHRUNGEN DER RÜCKKEHR.‹ 

Folgend finden Sie Interviews mit Expatriates (ins Ausland entsendete Mitarbeiter, kurz: Expats), visualisiert durch Fotografien und Erinnerungen.
Experteneinschätzungen und Rechercheergebnisse zum Thema ›Auslandsentsendungen und Rückkehr‹ unterstützen die Reportage durch wissenschaftliche Erkenntnisse.

WELCHE RÜCKKEHR HAT DICH AM STÄRKSTEN GEPRÄGT?

Die erste aus Venezuela, wo ich die längste Zeit war. Das war ein kompletter Kulturschock. In den fünf Jahren war ich nur einmal für ca. zwei Wochen in Deutschland. Das war im Winter, es war kalt und eine Freundin hat mich in Frankfurt vom Flughafen abgeholt. Ich bin gefahren, bin an einer Tankstelle raus, habe mir ein Bier gekauft, habe es aufgemacht, bin ins Auto gestiegen und bin weiter gefahren. Sie hat mich angeguckt und meinte “Sag mal was machst du denn? Du bist nicht in Venezuela.” In Venezuela ist das eine völlig normale Sache, mit einer Bierflasche in der Hand Auto zu fahren. Das nur als kleines Beispiel.

Wie ist das Unternehmen mit deiner Rückkehr umgegangen?

Aktiv hat das Unternehmen nicht viel gemacht. Es gibt in der Firma eine Zimmervermittlung, die allerdings nicht speziell für Rückkehrer ist. Diese Vermittlung gibt es, da mache Leute für eine gewisse Zeit den Standort wechseln und eine Wohnung in Deutschland brauchen. In meinem Fall hat die Vermittlung gut funktioniert. Es wurde mir die Möglichkeit gegeben Kurse zu machen, um neue Techniken zu lernen. Hierfür braucht man Zeit. Ein spezielles Programm für Rückkehrer gibt es allerdings nicht.

Experte: "Fit Across Cultures"

 ›Ein Interview mit Susan Salzbrenner von ‚Fit Across Cultures‘ – Organisationspsychologin und interkulturelle Trainerin‹ 

„Wenn man sich aus seiner Komfortzone herauswagt, muss man Routinen und gelernte Automatismen neu lernen. Alles was bei uns zu hause so einfach ist und spielend funktioniert (Auto fahren z.B.), ist auf einmal ein Kraftakt. Für unser Gehirn ist das immens viel Arbeit, aber auch Training. Gehirnjogging sozusagen. Auf einmal hat der Manager ein erweitertes Repertoire von Verhaltensweisen, aus denen er auswählen kann.

Er oder sie kann also ganz auf die Bedürfnisse des Teams eingehen. Dieser Perspektivenwechsel, Empathie und Verständnis über die Prozesse,  auf die kulturelle Unterschiede einen Einfluss haben, müssen die meisten Menschen, die monokulturell aufwuchsen (sprich in einer Kultur), lernen.“

WAS WAR DEINE GRÖSSTE SCHWIERIGKEIT NACH DER RÜCKKEHR?

Meine größte Schwierigkeit ist, dass alle Leute um mich herum nur in Problemen denken und nicht in Lösungen. Das bringt einen dazu sehr viel in Situationen zu verharren und eher zu diskutieren, anstelle sich zu überlegen, wie man einen Schritt nach vorne gehen kann. Das finde ich sehr ernüchternd.

Bedeutung der Rückkehr

Wie sieht ein internationales Unternehmen aus? Werden die Chancen von kulturellen Differenzen genutzt? Welche der Überzeugungen müssen verändert, relativiert oder sogar aufgehoben werden? Wie schafft man es, wichtige Werte zu erhalten und gleichzeitig die Chancen der kulturellen Unterschiedlichkeiten zu nutzen? Und was bedeutet es für die Entwicklung innerhalb des Unternehmens, für die Personalentwicklung oder das Marketing?

Unternehmen sollten den Standort und die Chancen in einer multikulturellen Welt analysieren, bisherige Erfahrungen reflektieren und auswerten, eigene Stärken definieren, notwendige Handlungsschritte formulieren und umsetzen.

Dies bedeutet, dass Entsendungen intensiver begleitet werden müssen, um die Chancen zu erkennen, die die Expats durch Auslandsaufenthalte gemacht haben. Sie dann für das eigene Unternehmen einzusetzen.

Kulturelle Intelligenz  bedeutet, dass das Wissen über anderskulturelle Überzeugungen in den eigenen Handlungsstrategien eingesetzt werden und die kulturelle Vielfalt von Mitarbeitern und Expats als hohes Potential für Lösungen von Problemen genutzt wird.

WELCHE ERWARTUNGEN HATTEST DU AN DEINE RÜCKKEHR?

Ein besseres Leben in Deutschland, mehr Sicherheit und einen besseren Job. Auch wollte ich gerne wieder in der Nähe meiner Familie wohnen.

Was war die größte Schwierigkeit nach deiner Rückkehr?

Mich einzuleben und an die deutsche Lebenskultur anzupassen. Es ist ein großer Unterschied zu Argentinien. Das fand ich anfangs schwierig.

 

Experte: Going Global

 ›Ein Interview mit Brigitte Hild von Going Global – Online-Beratung für Expatriates‹ 

„Entwicklungsbedarf gibt es an vielen Stellen. Die Rückkehr ist sicherlich der Prozess, der am meisten vernachlässigt wird und der unbedingt von den Unternehmen aktiv gestaltet und unterstützt werden sollte. Außerdem wird es immer wichtiger, Expatriates maßgeschneiderte Unterstützung zu bieten, die sich an ihrer persönlichen Lebenssituation orientiert.
Dual Career-Paare, Patchwork-Familien, Expats mit Eltern/Angehörigen, die Pflege oder Unterstützung brauchen, Singles – sie alle haben unterschiedliche Herausforderungen im Rahmen einer Entsendung zu bewältigen. Unterstützungsmaßnahmen der Unternehmen sollten dies berücksichtigen.“

WAS FÜR EINE AUSZEIT WAR DAS? WIE KONNTEST DU DIR DEINE AUSZEIT NEHMEN?

Ich habe mir eine Auszeit von meinem Job, von dem Leistungsdruck und eine Auszeit für mich genommen, um mich zu finden. Vielleicht war es keine Auszeit von irgendetwas, sondern eine Auszeit für etwas. Für mich. Um zu gucken was ich machen möchte, was mir wichtig ist, für meine Familie, dass ich mehr Zeit für sie habe, Zeit habe um Freundschaften aufzubauen und vor allem, um zu gucken was ich beruflich machen möchte.
Karrieremäßig habe ich mich entschieden ein paar Schritte zurück zu gehen.

Eine ganz normale Stelle aufzunehmen in der ich weniger in meinem Beruf investieren muss und mehr in mein Privatleben investieren kann.

Risiko der Rückkehr

Eigene Erkenntnisse und Beobachtungen

Im Jahr 2008 haben 27% der Entsandten innerhalb des ersten Jahres nach der Rückkehr aus dem Ausland das Unternehmen verlassen. Ein Jahr später waren es sogar 38%.

Es wurden Problemstatements aus Interviews und Recherche definiert. Es stellt einen Ausschnitt der Probleme dar, die während der Phase benannt werden konnten.


Denkst du, dass du durch Indien neue Möglichkeiten bekommen hast?

Auf jeden Fall. Ganz klar, sowohl menschlich als auch beruflich. Meinen Job und meine neue Position hätte ich ohne den Auslandsaufenthalt in der Form nicht bekommen.  Das ist das eine.

Das andere ist, dass ich eine ganz andere Zufriedenheit habe. Ich bin in einem Land aufgewachsen, in der eine medizinische Versorgung normal ist. Hier ist das Standard. Hier funktioniert das auch sehr gut. Das habe ich in Indien anders erlebt. Ich habe viele Menschen im Straßenverkehr sterben sehen.

In der Form wäre das in Deutschland nicht passiert. Hier in Deutschland kam somit in der Summe diese Zufriedenheit wieder.

Experte: Helena

 ›Helena arbeitet an einem Institut für interkulturelle Kommunikation. Sie war u.a. ein halbes Jahr in Mexiko und hat interkulturelle Trainings für deutsche und mexikanische Expats organisiert und durchgeführt.‹ 

„Während meines sechsmonatigen Aufenthalts im Unternehmen konnte ich bei deutschen Kolleg_Innen häufig eine „kulturignorante“ (Arbeits-) Haltung gegenüber den mexikanischen Kolleg_Innen beobachten, die manchmal auch von einer gewissen „kulturellen Dominanz“  begleitet war. Mit „kultureller Dominanz“ meine ich das besondere Hervorheben und preisen gewohnter und vermeintlich „deutscher“ Werte, die für den Unternehmensstandort in Deutschland vielleicht zutreffend sein mögen, aber auf einen Unternehmensstandort im Ausland nicht ein-zu-eins übertragbar sind.

Als Beispiele seien die negativen Attribute „unpünktlich“ und „faul“ zu nennen, die mexikanischen Kolleg_innen von deutscher Seite häufig zugeschrieben wurden. Diese basierten aber kaum auf einer berechtigten Kritik, sondern meist auf einer interkulturell unreflektierten Denkweise und Einschätzung, d.h. also einer „kulturellen Ignoranz“ und Dominanz der eigenen (unternehmens-) kulturellen Werte sowie bisher gekannter Arbeitsabläufe in Deutschland.“

Warum warst du im Ausland und was hast du dort gemacht?

Ich war für ein Praktikum in Südafrika und habe dort im Hotelmanagement gearbeitet. Nach einem Jobangebot im gleichen Bereich bin ich für insgesamt drei Jahre dort geblieben. Ein Aufenthalt in Österreich hat mir klar gemacht, dass ich Lust auf mehr habe. Ich habe gedacht, wenn ich schon hier bin, kann ich auch noch woanders hingehen. Es gab einen Kontakt, der mir zu der Zeit angeboten hat ein Praktikum in Südafrika zu machen. Das hat mir so prima gefallen, dass ich für die Arbeit im Hotelmanagement dort geblieben bin.

Waren das deine ersten Auslandserfahrungen? Wie hast du die andere Kultur empfunden?

Ja, es war meine erste richtige Auslandserfahrung. Es war eine ganz schöne und super Zeit. Ich habe mich in der anderen Kultur sofort zu Hause gefühlt, obwohl ich dort nichts kannte. Ich habe es immer genossen, die Leute, die Arbeit, bis zu dem bestimmten Punkt, wo ich gekündigt habe.

WELCHE 3 SUPERKRÄFTE HAST DU DURCH ENGLAND BEKOMMEN?

Was ich vorweg nehmen möchte ist, was ich allgemein durch den Auslandsaufenthalt gelernt habe. Ich möchte dieses Gefühl „ich finde mich überall zurecht” nicht missen. Es ist wie in dem Lied “Empire State of Mind” von Alicia Keys, wo es heißt: “If you can make it here you can make it anywhere.”  Man hat die Städte, ob Sydney oder London, schnell kennen gelernt und realisiert, dass man sich überall zurechtfindet, ob sprachlich oder auf Stadtplänen.